Ausgehend von dem Schichten-Modell, was der Mensch ist, habe ich von Claude ein Tool und daraus ein Plugin schreiben lassen, das analysiert und darstellt, inwieweit eine Sache einen Menschen auf den verschiedenen Ebenen betrifft.
Nachdem ich es getestet habe („Das Album Thriller von Michael Jackson“, „Schwimmen im Hallenbad“, „Artificial Intelligence“) habe ich gemerkt, dass es meinen Blickwinkel, die Perspektive, die Sichtweise auf den ganzen Menschen erweitert, nicht nur das, was mich interessiert oder ich für wichtig halte. Und dass es doch aufschlussreicher ist als ich dachte.
Das liegt auch daran, dass ich Übersichten und Modelle generell sehr hilfreich finde. Eine persönliche Sache.
Es ist wie ein kleines Tool zum Aufmerksamkeitstraining, für Biofeedback.
Aber auch Diskussionen kann man auf verschiedenen Ebenen abfragen, um zu klären, was man eigentlich gerade betrachtet.
Dieses Tool ist nicht dazu da, einem zu sagen, was man tun soll, sondern an sich selbst Fragen zu stellen. Ein Tool zur Selbstbefragung.
Besonders charmant finde ich die Ebenen und die Punkte darauf, also die Landkarte an sich. Besonders interessant ist, wie viel doch in einer Sache steckt.
Nicht alles würde man genau so gewichten, aber das kann man ja selbst entscheiden und die Analyse nur als Anregung nehmen. Und wenn man es ernst nehmen will, muss man sowieso noch nachrecherchieren. Zu Risiken und Nebenwirkungen … oder: „Claude ist eine KI und kann Fehler machen. Bitte überprüfe die Antworten.“ Die Linien zwischen den Punkten sind auch nur eine grobe Darstellung, aber besser als „hängt irgendwie alles zusammen“. Als Modell darstellen lässt sich das sowieso nicht korrekt und umfassend. Als Gesamteindruck aber schon ziemlich gut.
Beispiele
Schichtenkarte
Ein Phänomen, das biologische Realität mit kultureller Überformung verwebt und auf nahezu allen Ebenen menschlicher Existenz unterschiedlich ausgeprägt und gedeutet wird.
Schichtenkarte
Eine radikal körperliche, soziale Grenzüberschreitung, die biologische Intimität mit kulturellem Tabu und komödiantischer Fremdheit verschränkt.
Die Szene mit dem Pudding in Afterlife ist ein schönes Beispiel, auf welchen tiefen und auf wie vielen Ebenen man hier angesprochen ist und in einen Konflikt kommt. Man denkt, das sei schon die Pointe und dann kommt die Steigerung (Brot mit Vaginalhefe gebacken).
Eine Kommilitonin und Freundin von mir hat mal eine Hausarbeit im Rahmen ihres Studiums über Nudeldesign geschrieben. Das fanden wir natürlich erst einmal ziemlich lustig, und sie ist auch sehr lustig, aber als wir sahen, was alles in dem Thema steckt, fanden wir das doch überraschend ernsthaft. Was ich gelernt habe: 1983 hat der Autodesigner Giorgetto Giugiaro die „Marille“ designt. Die erste Designer-Nudel.
Da ich zeitgleich über Parfümflakon-Design geschrieben habe, waren wir zusammen recherchieren und haben uns ausgetauscht. Wir haben beide sehr viel nicht nur über Kultur und Design (was eigentlich der Kern der Betrachtung war), sondern auch über Menschen gelernt, und zwar nicht nur über sein Verhalten, sondern über Schichten, die ganz woanders liegen.
Als ich mit meiner damaligen Freundin das Parfüm-Museum in Grasse besuchte, hatte ich genau dieses Aha-Erlebnis, nämlich zu sehen, wie viel in diesem Thema steckt, dem ich bisher kaum Beachtung geschenkt hatte.
Als echtes Zeugnis der internationalen Geschichte auf technischem, ästhetischem, sozialem und kulturellem Gebiet der traditionellen Verwendung der Düfte behandelt das Museum anthropologisch alle Seiten der Geschichte der Düfte – Rohstoffe, Herstellung, Industrie, Innovation, Großhandel, Design, Anwendung – und in ganz unterschiedlichen Formen – Kunstobjekte, dekorative Kunst, Textilien, archäologische Zeugnisse, einmalige Objekte oder Industrieformen.
Musée international de la parfumerie
Im Prinzip haben wir beim Recherchieren das gemacht, was ich mit dem Tool oben nachgebaut habe, allerdings heute mit viel mehr zugänglicher Information darüber (siehe Literaturliste). Ich muss mich nicht mehr in der Bibliothek an den Mikrofichekatalog setzen.
Menschen waren schon immer komplex und ihre Kulturen immer vielschichtig. Wir vereinfachen das nur, um schneller und effektiver damit umgehen zu können. Aber unser Leben ist (hoffentlich) nicht nur auf Schnelligkeit und Effektivität ausgerichtet.
Gerade wenn man denkt: Na, wenn es doch Spaß macht und gesund ist, dann muss es ja gut genug sein, und merkt, dass Spaß und Gesundheit ziemlich grobe, fast nichts sagende Kategorien sind und man auf der Ebene des Selbstmodells, der Wahrnehmung und der Intersubjektivität sich überhaupt nicht wohlfühlt.
Nehmen wir uns ruhig als komplexes Lebewesen wahr, denn das sind wir, seitdem uns ein Gehirn gewachsen ist. Das sind wir als Menschen.