Wenn ich hundertfünfzig Jahre alte Bücher lese, dann fällt – im Vergleich zu heute – auf, dass Psychologie und Charakter einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft hatten. Das ist zweischneidig, wenn ich romantisiere, bewahre ich den Zauber des Rätsels, wenn ich pathologisiere, werde ich medizinisch.
Menschen werden im einen Fall zur Anekdote, im anderen zum Mitmenschen, für den man Mitverantwortung trägt, durch das Soziale.
Mir ist es auch nicht recht, von jemandem als Figur in seine Vorstellung vom Leben als Geschichte eingebunden zu werden, damit seine erzählerische Logik schlüssig bleibt. Der Mensch hat weder nur eine Rolle noch nur eine Funktion.
Ein dritter Modus behält das Geheimnis und das Unbekannte bei.
„Einem Menschen begegnen heißt, von einem Rätsel wachgehalten zu werden.“
E. Levinas
Das gilt für den Menschen und für gute Literatur.