Nicht berauschend
Vierzig Jahre lang habe ich Tee oder Kaffee und Alkohol getrunken. Vor allem, wenn ich müde oder lustlos war. Morgens Kaffee, zwischendurch, wenn ich ein Tief hatte auch, und Alkohol, abends mit Freunden. Es ist vor allem die anregende Wirkung, die ich genossen habe.
Ich habe etliche Freizeitbeschäftigungen: Musik, Tanzen, Lesen. Es war für mich undenkbar, das alles ohne Anregung zu tun. Ich werde müde, unkonzentriert, mir fehlt die Motivation. Der Weg von der Regung zur Erregung zum Rausch ist ein ganz individueller, und mich mit anderen vergleichen, macht keinen Sinn. Mein Leben lang habe ich das Gefühl, zwischen Euphorie und depressiver Verstimmung zu schwanken. Kaffee und schwarzen Tee habe ich viel getrunken, bis ich Anfang des Jahres das Koffein wegließ. Der Entzug war schlimmer, als ich dachte.
Nüchtern wirkt alles erst einmal ziemlich ernüchternd. Ich werde schnell müde und ab 21:00 Uhr gehe ich ins Bett. Ich habe aber jeden Abend Tanzen und Yoga und ab und zu Bandprobe oder muss unsere Stücke üben und Lesen will ich auch und und und.
Ein gesundes Leben ist ein Jonglieren. Menschen sind verschieden, und ich muss akzeptieren, dass mein Leben ein Spagat ist.
Ich mache aus der Nüchternheit kein Prinzip, das ich mir selbst mit Verboten auferlege, ich muss nur ganz genau auf mich achten und auf meinen Körper hören. Mein Ziel war und ist es, den Sympathikus runterzufahren, jetzt kümmere ich mich auch um den Parasympathikus und dann werde ich sehen, wie ich mich damit fühle und ob mein Körper sich verändert.
Ein nüchternes Gleichgewicht ist mein Ziel.