Parasympathikus
Seit einiger Zeit merke ich chronischen Stress. Ich nehme das gar nicht als Stress war, weil ich vieles gerne und in meiner Freizeit mache, aber der Körper merkt es. Es fing mit Kopfschmerz, Müdigkeit und Schwindel an, langsam und schleichend. Mit einem mal verspannte sich mein Nacken immer stärker und ich bekam einen Tinnitus.
Das war der Auslöser, zum Arzt zu gehen. Stress, sagt er, und verschrieb mir Physiotherapie. Der Physiotherapeut behandelte mich mit manueller Therapie und meinte, ich soll den Kaffee weglassen. Seitdem trinke ich kein Koffein mehr und nur noch ausnahmsweise Alkohol.
Das war soweit gut für meinen Sympathikus, aber mein Parasympathikus braucht ebenfalls Aufmerksamkeit. Seitdem mache ich einmal die Woche Yin-Yoga. Danach fühle ich mich viel besser, aber ich merke, dass das nicht reicht. Ich brauche Übungen für jeden Tag.
Übung für zwischendurch
1. Ankommen im Atem (3 Min.)
Setz oder leg Dich bequem hin. Atme normal, aber verlängere bewusst das Ausatmen: 4 Sekunden ein, 6–8 Sekunden aus. Zähl innerlich mit. Das gibt Deinem System gleich zu Beginn das Signal: jetzt wird es ruhig.
2. Sanfte Nacken-Lösung (4 Min.)
Im Sitzen, ganz langsam: Kopf nach rechts sinken lassen, ein paar Atemzüge halten, zurück zur Mitte, dann links. Danach Kinn sanft zur Brust, den Hinterkopf lang werden lassen. Keine Dehnung erzwingen – nur das Gewicht des Kopfes nutzen. Das spricht genau Deine verspannte Region an, aber ohne den Schutzreflex auszulösen.
3. Gestützte Vorbeuge oder Kindhaltung (4 Min.)
Im Sitzen über die Beine sinken lassen, oder am Boden in die Kindhaltung mit einem Kissen unter Stirn und Oberkörper. Das ist eine der stärksten beruhigenden Haltungen – der Körper ist gefaltet, geschützt, gestützt. Einfach atmen und liegen.
4. Beine hoch an die Wand (4 Min.)
Auf den Rücken legen, Beine senkrecht an eine Wand. Klassische restorative Haltung, die Kreislauf und Nervensystem beruhigt. Arme locker neben Dir. Wenn Du magst, summe leise beim Ausatmen – das stimuliert den Vagusnerv über die Vibration im Brustraum.
5. Nachruhen (3 Min.)
Flach auf dem Rücken, Beine lang, Augen zu. Nichts mehr tun. Die Aufmerksamkeit langsam durch den Körper wandern lassen – Füße, Beine, Becken, Bauch, Brust, Schultern, Kopf. Wenn Gedanken kommen, lass sie ziehen und kehr zum Körper zurück.
Ich hoffe, im Laufe des Jahres beschwerdefrei zu werden.